„Hund trifft Hund“ – Entspannte Begegnungen an der Leine

Auf das erste Buch von Katrien Lismont war ich sehr gespannt. Alleine der Buchtitel lies bereits ahnen, dass dieses Buch sich von den anderen Veröffentlichungen zum Thema Leinenaggression deutlich unterscheiden könnte. Meist wird hier der Focus auf das zu verändernde Verhalten des reaktiven Hundes gelegt, mit dem Ziel, das er irgendwann problemlos Nahkontakt zu Artgenossen aushalten kann. Es wird gar nicht ergründet, ob die beteiligten Hunde überhaupt Kontakt haben wollen oder einfach nur mehr Distanz wünschen.
Hundebegegnungen sind für viele Hundebesitzer alles andere als entspannt. Rasend schnell geraten sie und ihre Hunde in eine Spirale aus Stress und Unsicherheit hinein. Das reaktive Verhalten der Hunde eskaliert bereits nach kurzer Zeit, sogar, wenn Artgenossen aus menschlicher Sicht noch sehr weit weg sind. Der Leidensdruck der Menschen am anderen Ende der Leine steigt täglich.
Das Problem Leinenaggression kenne ich selbst nur zu gut. Unsere sensible, stets freundliche Aussiehündin Layla begann plötzlich andere Hunde wegzubeißen, als ihre souveräne Partnerin mit 13 Jahren erste Einschränkungen im Bewegungsapparat und in der Sinneswahrnehmung zeigte. Nach einer heftigen Beißerei mit einem nicht abrufbaren freilaufenden Hund waren uns lange Zeit nur noch einsame Spaziergänge in offenen Landschaften möglich.

Katriens Werdegang machte mich extrem neugierig auf ihr Konzept:

Katrien Lismont sagt von sich selbst mit Stolz „ich habe von den Besten gelernt und das wird weiterhin so sein“. Mit ihren Ausbildungen deckt sie eine beeindruckend breite Pallette ab: sie ist Tellington Touch® Practioner 2, hat die International Dog Trainer-Ausbildung bei Sheila Harper sowie bei Dr. Ute Blaschke Berthold die CumCane® Ausbildung absolviert. Sie ist die einzige deutsche BAT Instruktorinnen nach Grisha Stewart (Behavior Adjustment Training) und hat bei Dr. Susan Friedman die Ausbildung in der Verhaltensanalyse absolviert. Die Liste ihrer Weiterbildungen ist ein einziges Who`s Who der internationalen Trainerszene. Als diplomierte Übersetzerin für Englisch, Deutsch und Niederländisch war es der gebürtigen Belgierin möglich, über den Tellerrand zu schauen und sich neue Perspektiven zu eröffnen.

Foto Katrien Lismont privat

In ihrem Buch gelingt es ihr mühelos, ihr geballtes Wissen zu einem verständlichen, ganzheitlichen Konzept herunter zu brechen. Katrien Lismont beweist eindrücklich, dass sie mit Freude von anderen lernt, aber nicht sklavisch Methoden kopiert. Sie nutzt die ganze Bandbreite ihrer Aus- und Weiterbildungen und fügt sie zu einem persönlichen und ganzheitlichen Konzept zusammen.
Die Basis für ein Training bei Verhaltensproblemen sind immer die Überprüfung und Optimierung des Gesundheitszustandes des Hundes sowie eine artgerechte und bedürfnisorientierte Haltung und Beschäftigung. Katrien Lismont liefert in diesem Zusammenhang eine Fülle an Tipps und Fallbeispielen.
Mit der Aussage „Wenn wir die vorherigen Aufgaben im Hinblick auf den Alltag, das Wohlbefinden und die ausgewogene Auslastung abgearbeitet haben, ist das Training oft nur noch der Feinschliff: Aber es ist notwendig.“ beginnt sie ihre Einführung in das Kapitel zum positiven Training. Lerntheoretisches Hintergrundwissen und die Grundlagen des Markertrainings erklärt sie leicht nachvollziehbar. Sämtliche Übungen und Managementmaßnahmen zum effektiven Training bei Leinenaggression werden ausführlich beschrieben.
Das Ziel ist am Ende ein Hund, der kritische Situationen selbstwirksam sowie ruhig und gelassen meistern kann. Das entlastet endlich auch den Hundehalter, der nicht mehr nur noch kontrolliert korrigierend auf den Hund einwirkt, sondern lediglich sanft Hilfestellungen gibt, falls diese überhaupt noch notwendig sind und nur im Notfall auf die erarbeiteten Managementmaßnahmen zurückgreift (z.B. sanftes Stoppen, Leine ausstreichen, Umorientierung, Notsitz).
Geübt wird dies zunächst in sog. BAT 2.0-Trainings nach Grisha Stewart. Hier lernt der Hund mit ausreichend Freiraum Hundebegegnungen selbstbestimmt zu lösen und neu emotional zu verknüpfen. Sein Mensch am anderen Ende der Leine lernt, wie man die 5 Meter Leine entsprechend handelt sowie seinen und andere Hunde zu lesen und sein eigenes Verhalten entsprechend anzupassen.
Das ist in der Praxis einfacher als es sich liest 🙂 In einem Hundebuch kann man nur die Basis für ein Konzept beschreiben. Es ersetzt jedoch nicht die praktische Umsetzung und Selbsterfahrung. Man muss es erleben!
Im April 2018 hatte ich bei einem Seminar des Tierheims Kaiserslautern die Möglichkeit, Katrien Lismont und ihre Methode live kennenzulernen.
Nach einer ausführlichen theoretischen Vorbereitung und Vorstellung der mitwirkenden Mensch-Hund-Teams wurde in der Praxis zunächst das Leinenhandling im Selbstversuch mit einem menschlichen Partner geübt. So konnten wir selbst erspüren, wie sich ein sanftes Stoppen und das Ausstreichen der Leine anfühlen.
Im Anschluss trafen dann jeweils zwei Mensch-Hund-Teams auf einem weitläufigen Gelände mit natürlichem und zusätzlichem Sichtschutz durch portable Wände aufeinander. Die Teams sowie die Seminarteilnehmer wurden von Katrien über Walky Talkies angeleitet. Die räumlichen Distanzen der ersten Setups waren bewusst extrem groß gewählt, damit ein Arbeiten unterhalb der Reizschwelle sichergestellt war (Desensibilisierung). Die Befriedigung der individuellen Bedürfnisse der einzelnen Hunde während der Begegnungen verändern nach und nach ihre emotionalen Befindlichkeiten (Gegenkonditionierung). Die Besitzer lernen also zunächst Verhalten zu beobachten und Situationen einzuschätzen und entsprechend angepasst zu reagieren. Den meisten Hunden gelang es bereits im zweiten Setup auch auf geringeren Distanzen die Hundebegegnungen besser zu bewältigen. Hunde, mit denen die Besitzer bisher sehr viel trainiert hatten, orientierten sich erwartungsgemäß zunächst sehr an ihrem Frauchen oder Herrchen. Solche Hunde benötigen etwas länger, um zu lernen, dass sie Begegnungen mit Artgenossen auch selbst lösen können. Dabei wird ihnen lediglich mehr Freiraum im Mensch-Hund-Team eingeräumt und der Weg zur Selbstwirksamkeit geebnet.
Katrien Lismont versteht es, sowohl Menschen als auch Hunde individuell dort abzuholen, wo sie es gerade brauchen. Dabei strahlt sie stets Optimismus und Freundlichkeit aus.
Es gelingt ihr absolut, das Beste der Besten mit ihrem ganz persönlichen Erfahrungsschatz zu kombinieren und zu vermitteln. Sie ist wahrlich eine Hundetrainerin mit „Hirn und Herz“! Ich bin mit einem ganz großen Lächeln im Gesicht und vielen Ausrufezeichen im Kopf nach Hause gefahren.

Daheim habe ich sofort begonnen, das Konzept während unserer Spaziergänge umzusetzen. Der Erfolg bei beiden Hunden war unglaublich. Alleine die Kommunikationsmöglichkeit über das sanfte Ausstreichen der Leine hat uns schnell sehr viel mehr Ruhe und Gelassenheit beschert. Man hat über die ausgestrichene, sanft vibrierende Leine die Möglichkeit, mit dem Hund Kontakt aufzunehmen, auch wenn man sich hinter ihm befindet und seine Aufmerksamkeit gerade ganz woanders ist. Falls erforderlich, kann man den Hund körpersprachlich zum Mitkommen einladen, indem man seitlich in sein Blickfeld hinein und dann gemeinsam mit ihm aus der Begegnung herausgeht. Den Hunden wird die Entscheidung nicht sofort, wie beim Umorientierungssignal, abgenommen. Es bleibt ihnen Zeit und Raum eigene Erfahrungen zu machen.

Katrien betreibt ihr Hundezentrum dogood in 74626 Bretzfeld-Waldbach. Sie gibt ihr Wissen auf zahlreichen Seminaren und Webinaren weiter und bietet Mensch-Hund-Teams, die nicht in ihrer Nähe wohnen, die Möglichkeit, mit ihr eine Intensivwoche zu verbringen. TrainerkollegInnen können sich von ihr coachen lassen.

Einen ersten Blick ins Buch „Hund trifft Hund“ sowie eine Bestellmöglichkeit findet Ihr hier:

Geeignete Hundeleinen bietet Katrien Lismont während ihrer Seminare leihweise und auch zum Kauf an.

Liebevoll handgearbeitete BAT-Leinen kann man bei Maria Leschhorn von Wuselhund bestellen. Sie erfüllt auch gerne Sonderwünsche.

Im Großraum Saarbrücken kann man bei ihr ebenfalls Begegnungstrainings in Anlehnung an BAT 2.0 Settings buchen.

Tierheim Kaiserslautern
Ein sehr positives Beispiel für innovativen und kompetenten Tierschutz und perfekt organisierte Seminare 🙂

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