Glückliche Hunde

Die Evolutionsgeschichte von Hunden und Menschen sind eng miteinander verbunden. Der Hund ist, im Gegensatz zum Wolf, auch in unseren modernen Gesellschaften nicht wegzudenken. Auf den ersten Blick müsste es unseren Hunden doch sehr viel besser gehen, als in früheren Zeiten. Viele Hunde sind heute versichert, werden sogar besteuert, können immer professioneller, auch bei schwerwiegenden Erkrankungen, tierärztlich versorgt werden, gehen wie Menschenkinder in die Schule und bei „Anpassungsproblemen“ zum Therapeuten.

Schaut man genauer hin, dann bemerkt man, dass Hunde mit ähnlichen Krankheiten und Zivilisationsproblemen zu kämpfen haben, wie wir Menschen. Hunde in modernen Gesellschaften leben gemeinsam mit uns in einer von uns Menschen geprägten und kontrollierten Umwelt. Das Zusammenleben von Mensch und Hund ist unter solchen Bedingungen bestenfalls ein gelungener Kompromiss. Hunde dürfen ihre natürlichen Bedürfnisse mitunter nur sehr eingeschränkt oder sogar gar nicht ausleben. Unbefriedigte Bedürfnisse führen jedoch schnell zu Frustration und Stress, schlimmstenfalls zu Aggression oder Depression.  Manche Menschen fühlen sich schnell oder aber nach einer langen Odyssee derart überfordert, dass sie ihren Vierbeiner abgeben. Ein depressiver Hund hingegen wird leider von uns Menschen eher als brav wahrgenommen und leidet häufig ohne Aussicht auf eine Veränderung oft lebenslang vor sich hin.

Wir können die Zeit nicht mehr zurückdrehen, aber wir können unsere Hunde beobachten und herausfinden, womit sie sich gerne beschäftigen würden, wenn sie ihre Leben völlig frei und ohne unsere menschliche Kontrolle gestalten könnten. Was beeinflusst das Verhalten unserer Hunde?  Die Motivation, etwas zu tun, kommt von innen.  Die Bedürfnisse eines jeden Lebewesens sind sehr individuell, können sich innerartlich sogar stark unterscheiden und sind noch dazu veränderlich. Das kennen wir doch selbst nur zu gut: ich verbringe meine Freizeit bei Wind und Wetter am liebsten draußen, während andere ihre Zeit viel lieber mit einem guten Buch auf der Couch oder vor dem Fernseher verbringen. Mit einer starken Erkältung hingegen liebe ich es ebenfalls, zu Hause auf der Couch zu liegen und zu lesen, zu schlafen oder mich vom Fernseher berieseln zu lassen. Je besser ich ein Lebewesen kenne und verstehe, desto harmonischer gestaltet sich das Zusammenleben.

Foto Helga Groß privat

Glückliche Hunde machen uns ebenfalls froh!

Es lohnt sich, genau hinzuschauen:

Ein Hund sieht einen anderen Hund am Ende der Straße. Er schaut zu seinem Frauchen. Diese gibt ihm einen Hundekeks und wechselt die Straßenseite. Beim nächsten Treffen, zerrt der Hund wie wild an der Leine, als er einen anderen Hund erblick. Was ist passiert? Sein Frauchen hatte ihn bei dem ersten Treffen irgendwie völlig falsch verstanden. Er wollte doch gar keinen Keks, sondern unbedingt dem anderen Hund Hallo sagen. Der Hund ist enttäuscht. Er hatte erwartet, dass er zu dem anderen Hund gehen darf, wenn er ruhig wartet und freundlich bei Frauchen nachfragt, ob er auch darf…Das Frauchen hat auf den ersten Blick freundlich reagiert und ihm etwas scheinbar Angenehmes angeboten (Positive Verstärkung/befriedigende Belohnung), damit jedoch leider nicht die innere Motivation des Hundes getroffen. Tatsächlich hat sie ihn bestraft (negative Strafe/frustierende Bestrafung), indem sie ihm das Treffen vorenthalten hat. Solche Situationen sind häufig der erste Schritt in die Entstehung einer sog. „Leinenaggression“.

Wenn man seinen Hund glücklich machen und mit ihm kooperieren möchte, dann sollte man seinen „Wunschzettel“ kennen.

Dies gilt für alle Lebewesen.

Foto Lisa Siegrist

Ganz oben auf dem Wunschzettel von unserer Stute Vipérine steht „Gras“! Tatsächlich hat unsere Tochter Gras als Belohnung für Stehenbleiben eingesetzt und sehr kleinschrittig einen zuverlässigen Partner für lange Gelände- und Distanzritte ausgebildet. Sicheres Anhalten auf feinste Signale ist die Grundvoraussetzung für freies Reiten im Gelände.

Auf der Suche nach einem guten Hundetrainer oder –psychologen sollte man darauf achten, dass dieser sich ein Bild von den Bedürfnissen des Hundes und seines Menschen macht! In diesem Jahr werde ich Euch weitere empfehlenswerte Trainer und ihre Arbeit näher vorstellen.

 

 

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Zum Weiterlesen für diejenigen, die mehr darüber erfahren möchte, wie Hunde „ticken“:

Schon etwas älter (2011 Erstveröffentlichung der Englischen Originalausgabe „In Defence of Dogs) ist das umfassende Werk von John Bradshaw. Dennoch ist es eines meiner Lieblingsbücher, das ich Hundemenschen empfehle, wenn sie mehr über die Welt aus Hundeperspektive erfahren möchten. Anlässlich der Veröffentlichung in deutscher Sprache erschien 2012 in der Welt am Sonntag ein Interview mit dem Autor.

Man kann die Bücher von Alexandra Horowitz grundsätzlich jedem empfehlen, der sich wissenschaftlich fundiert über den Blickwinkel unserer Haushunde informieren und ganz nebenbei noch lächeln möchte. Sie beschreibt selbst komplizierte Zusammenhänge klar verständlich und mit viel Sinn für Humor. Eines meiner persönlichen Lieblingshundebücher ist ihr Werk „Was denkt der Hund“:

Dr. Adam Miklosi hat 2018 ein leicht verständliches und umfassendes Werk über Hunde herausgebracht, das die wichtigsten Informationen über Hunde vermittelt. Nicht zu verwechseln mit seinem ersten Buch „Hunde“, das den damaligen Stand der Wissenschaften zusammenfasst.

Der Kynos Verlag hat den Klassiker „Das andere Ende der Leine“ von Patricia McConnell 2018 neu aufgelegt. Patricia McConnell bettet Informationen sehr unterhaltsam in Geschichten und Anekdoten ein. Ich lache gerne, auch über mich selber und mag ihre Art, uns den Spiegel vorzuhalten sehr:

Wer sich näher mit Motivation und Belohnung im Hundetraining beschäftigen möchte:

Leider gibt es das Büchlein von Sabine Winkler nur noch antiquarisch:

Die Pflichtlektüre für Hundetrainer und fortgeschrittene Hundehalter von Viviane Theby wurde gerade überarbeitet und neu aufgelegt:

 

 

 

 

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