Alltag mit Hund während der Coronakrise in Frankreich

Seit 15 Jahren leben meine Familie und ich in Frankreich; unmittelbar im Grenzgebiet zum Stadtverband Saarbrücken. Unser freies Leben in einem kleinen Dorf im Dèpartement Moselle inmitten wunderschöner Natur änderte sich schlagartig mit der Coronakrise:

In Frankreich gilt seit dem 17. März 2020 eine strenge Ausgangssperre. Wir dürfen uns maximal eine Stunde täglich in einem Radius von 1000 Metern außerhalb unseres Zuhauses bewegen. Jedes Mal, wenn wir das Haus verlassen, müssen wir dies auf entsprechenden Formularen dokumentieren.

In der alten Kopfweide vor unserem Haus sucht Blue Futterstückchen

Zunächst dachte ich, dass ich unsere Hunde auch in diesem beschränkten Umkreis gut auslasten könnte. Schließlich leben wir inmitten von Streuobstwiesen, die an ein wunderschönes Waldgebiet angrenzen.

Sollte das nicht ausreichen, hätten wir ja noch jede Menge zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten, mit denen wir ohnehin unsere täglichen Streifzüge anreichern und sogar einen Bach in erreichbarer Nähe für unseren „Wasserhund“ Blue.

Die Wege in unserem „Corona-Streifgebiet“ variiere ich ständig. Ein Perspektivwechsel macht denselben Ort häufig schon etwas interessanter.

Wilde Orchideen sind für Blue und Layla völlig uninteressant

Ich selbst genieße die Natur als “Augentier” sehr. Blue und Layla nehmen ihre Umwelt als „Nasentiere“ jedoch völlig anders wahr. Sie begannen, sich zu langweilen: in unserem ansonsten so wildreichen Gebiet gab es plötzlich kein Wild mehr. Es hat sich aufgrund veränderter Umweltbedingungen anscheinend neue Lebensräume erschlossen. Unsere Hunde spüren Wild normalerweise auf und „melden“ mir das zurück. Das hat uns immer sehr viel Freude gemacht und die beiden gut ausgelastet.

Tatsächlich wird es für unsere Hunde mit jedem Schritt, den wir uns weiter vom Dorf weg in die Wiesen und Wälder entfernen, langweiliger. Dort gibt aktuell nur wenige Wildspuren und kaum noch Gelegenheiten „Zeitung zu lesen“. Wir wohnen am Ortsrand und unser Streifgebiet befindet sich momentan nicht im erlaubten Radius der meisten anderen Dorfhunde: Welcher Artgenosse war hier? Freund oder Feind? Wie geht es ihm? Ist er gesund? Jung oder alt? Gestresst oder entspannt? Paarungsbereit? Es gibt schlicht nichts oder wenig Interessantes zu schnüffeln, was früher ihr Leben bereichert und interessant gemacht hat. Kein Wild, keine Artgenossen,…andere Menschen und ihre Hunde begegnen uns schon lange nicht mehr.

Ich liebe es, unsere Hunde zu beobachten, meinen Blickwinkel durch ihre unglaublich feine Wahrnehmung zu erweitern und ihnen einen annähernd artgerechten Alltag zu bieten. Ich liebe es einfach, zu sehen, wenn sie glücklich sind.

Markieren ist für uns Menschen oft ein Ärgernis, für unsere Hunde jedoch Teil ihres Kommunikationsrepertoires

Unsere Umwelt hat sich während der vergangenen Wochen durch die strikte Ausgangssperre stark verändert. Mir hat es noch einmal sehr deutlich gemacht, wie unglaublich wichtig es für Hunde ist, ihre Umwelt mit der Nase wahrnehmen zu können, mit ihren Artgenossen über ihre Hinterlassenschaften zu kommunizieren und regelmäßig einen Freund, aber auch einen Feind zu treffen. Wir Menschen können nur erahnen, welche Informationen sie mit ihren feinen Nasen aus der Umwelt tatsächlich herausfiltern zu können.

Unsere unmittelbare Umgebung bietet Layla und Blue im Moment sehr viel mehr Sinnesreize, als unsere Spaziergänge. Sie stromern derzeit lieber durch das Gelände am Haus, als spazieren zu gehen. Insbesondere Blue durchstreift gerne „sein“ Territorium oder beobachtet einfach nur seine Umgebung.

Ausreichend Gelegenheit zum Schnüffeln und Erkunden ist unerlässlich für das Wohlbefinden unserer Hunde

Der gemeinsame Spaziergang ist für die meisten Hunde die einzige Gelegenheit, Bedürfnisse auszuleben, die ihnen unser menschlicher Wohnraum nicht bieten kann. Dazu gehört ebenfalls, Informationen über Kot und Urin von Artgenossen herauszufiltern und selbst zu markieren. Schnüffeln und Erkunden in ihrem eigenen Tempo sollte Hunden unbedingt täglich ermöglicht werden.

Mit einer entsprechend langen Leine (mind. 3 bis 5 Meter) oder einer leichten Schleppleine am gut sitzenden Geschirr bietet man dabei Hunden, die nicht frei laufen können oder dürfen, sehr viel mehr Lebensqualität, als mit einer kurzen Leine. Hunde, die uns beim Joggen oder Fahrradfahren begleiten, sollten unbedingt zusätzlich täglich ausreichend Gelegenheit bekommen, ihre Umwelt mit der Nase und in ihrem Tempo zu erkunden. Mit körperlicher Aktivität allein kann man einen Hund weder auslasten noch glücklich machen.

Ich freue mich schon auf den ersten gemeinsamen Spaziergang außerhalb unserer 1000 Meter Zone in einem unserer liebsten Streifgebiete. Nach zwei Monaten Abwesenheit gibt es dort sicherlich jede Mengen zu erschnüffeln.

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Zum Weiterlesen:

Blue trägt ein leichtes Geschirr von anny-x

und eine Schleppleine aus Biothane:

 

 

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