Jagende Hunde und was wir von ihnen lernen können

In Zeiten der Corona-Pandemie wird es in den Naherholungsgebieten und Wäldern immer voller. Zudem erfüllen sich viele Menschen ihren Traum vom eigenen Hund – „wenn nicht jetzt, wann dann?“ So viele Menschen mit und ohne Hunde waren noch nie in Wald und Flur unterwegs. Kaum jemandem von ihnen ist jedoch bewusst, dass sie in das Zuhause von unzähligen Wildtieren eindringen, die sich zum Teil, von den meisten völlig unbemerkt, ganz in unserer Nähe aufhalten. Gut getarnt und nur von geübten Menschenaugen als Kontrast oder in der Bewegung wahrnehmbar.

Unsere Hunde nehmen ihre Umwelt mit ihren feinen Sinnen völlig anders wahr als wir. Gerüche sind nicht nur wesentlicher Bestandteil der Kommunikation von Hunden untereinander; Hunde filtern darüber hinaus mit ihren Nasen Informationen über ihre Umwelt heraus, die uns immer verschlossen bleiben werden.

hier ist ein Fuchs vorbeigezogen – typisch das „Schnüren“

Wir nehmen allenfalls den intensiven Geruch eines Fuchses oder Wildschweines wahr, wenn er in der Luft schwebt. Hoffentlich – in Bezug auf die Wildschweine… So gehen dann die meisten Menschen mit ihren Hunden völlig ahnungslos spazieren, eher nebeneinander her, als miteinander. Der Mensch im Gespräch mit anderen vertieft oder mit dem Mobiltelefon beschäftigt. Meist völlig überrumpelt, wenn der Hund „aus dem Nichts“ durchstartet und sich selbst und die Wildtiere in Gefahr bringt.

Foto: Mattia Esser

„Unerwünschtes“ Jagdverhalten kontrollieren zu können wünschen sich die meisten Hundebesitzer. Jedoch eher aus Angst um ihre Hunde. Kaum jemand bekommt jemals ein verletztes oder zu Tode gehetztes Reh zu Gesicht. Die Wildtiere leiden still…ganz nah…

Nie zuvor hatten wir so viel Zeit, die Natur vor unserer Haustür genauer kennenzulernen. Zugegeben, gezwungenermaßen. Wenn nicht jetzt, wann dann sollten wir diese Zeit nutzen? Wir könnten unsere Hunde während unserer gemeinsamen Streifzüge durch die Natur beobachten und unsere eigene Wahrnehmung schärfen, für das, was denn da noch so „kreucht und fleucht“.

Für mich sind die Spurensuche im Gelände und das Fährtenlesen seit meiner Kindheit so spannend wie ein guter Krimi. Meine Perspektive konnte ich durch die gemeinsamen Streifzüge mit den Hunden meiner Kindheit enorm erweitern.

Im Schnee findet man leichter den Einstieg in das Spurenlesen – hier der Flügelabdruck eines Vogels

Mit dem Wissen aus meinen Hundetrainerausbildungen konnte ich viele Jahre später unsere gemeinsamen Aktivitäten draußen in der Natur auf ein ganz anderes Level heben: unsere Hunde „melden“ Wild – sie orientieren sich zu mir um, sobald sie Wild wittern, sehen oder hören. Wir entdecken die Welt gemeinsam! Ich darf teilhaben an der unglaublichen Perspektive unserer Hunde! Wir feiern das gemeinsam, ganz wie es die Situation hergibt: ich werfe Futterbrocken, die sie verfolgen und erschnüffeln können, wir folgen gemeinsam der Spur, ich werfe einen Stock oder Dummy, wir rennen gemeinsam, ich schicke sie zurück auf unserer Spur, wo ich unbemerkt einen Gegenstand „verloren“ habe oder aber wir freuen uns einfach nur lautstark gemeinsam. Kaum jemandem erschließt sich, was meine Hunde und ich auf unseren gemeinsamen Wanderungen tun – oft muss ich lächeln, wenn ich in die verwirrten Gesichter anderer Wanderer blicke. Schade eigentlich, dachte ich oft.

Und dann fiel mir der Titel „Sei mein Scout “ unter den Neuerscheinungen der Hundebücher auf. Ulli Reichmann als Autorin ließ eine praxisnahe und fröhlich-freche Lektüre erwarten.  Der animal Learn Verlag hat es gewagt, ein Buch über Hunde und ihr Wissen über Wildtiere zu veröffentlichen. „Wenn nicht jetzt, wann dann? Krisen sind Chancen!“ dachte ich mir. Das Buch ist als Einsteigerlektüre in die Welt der Wildtiere vor unserer Haustür gedacht, sehr gut recherchiert und wunderschön bebildert. Ulli Reichmann lässt bereits in den Beschreibungen der einzelnen Tiere ihre eigene Erfahrungen und Geschichten einfließen und nimmt den Leser so von Anfang an mit auf den Weg ins gemeinsame Erkunden mit Hunden. Ulli Reichmann liefert keine Trainingsanleitungen, sondern ermuntert zum Beobachten und zum Perspektivwechsel in Bezug auf „die Jagdleidenschaft unserer Hunde“. Hier lernt der Mensch vom Hund.

Ulli Reichmann schreibt zum Abschluss „Möglicherweise gibt es irgendwann einen zweiten Band, wenn ich noch mehr über sie („Tiere, die in Wald, Feld und Flur zuhause sind“) gelernt habe.“ …“Mit diesem Buch wollte ich einen Anfang machen und ich hoffe, es ist mir gelungen, einen ersten Eindruck zu vermitteln, welche spannenden Informationen Hunde uns lehren…“

Ich freue mich bereits jetzt auf den zweiten Band und bis dahin streife ich weiterhin gemeinsam mit unseren Hunden umher und lerne dazu.

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